Manga-Empfehlung für Japanischlerner: Doraemon

Einfache Texte, kein Slang, sogar mit Altersempfehlung am Ende einer jeden Geschichte – Doraemon ist einen Blick wert für alle, die Japanisch lernen und dabei noch was zu lachen haben wollen. Und schließlich ist das Manga Urgestein eines der weitverbreitetsten seiner Gattung.

In Japan kennt jeder Doraemon – zumindest fast jeder. Sogar Eltern, manchmal sogar die Großeltern. Nobita ist zum Inbegriff der Heulsuse geworden, sein Kontrahent Gian zum Paradebeispiel des drangsalierenden Rowdies. Imitiert einfach mal Doraemons Stimme, wenn er im Intro des Animes „boku doraemon“ sagt, ersetzt seinen Namen mit dem euren und ihr werdet sehen: die meisten Japaner werden verstehen, welchen Witz ihr da gerade macht.
Wenn man ein bisschen darüber nachdenkt, ist es ja auch kein Wunder, repräsentiert das Manga doch einen zentralen Bestandteil der japanischen Mentalität: Probleme werden mit Technologie gelöst, ein paar schlaue Gadgets machen das Leben leichter und der futuristische Fortschritt bringt viel Gutes, genau wie dieser seltsame Katzen-Roboter namens Doraemon…der, meiner bescheidenen Meinung nach, gar nicht so sehr wie eine Katze aussieht.

Es ist nicht leicht, ein Junge zu sein

Von links nach rechts: Suneo, Nobita, Doraemon und Gian.

Von links nach rechts: Suneo, Nobita, Doraemon und Gian.

Die Geschichten drehen sich um Nobita, einen durchschnittlichen, überaus ungeschickten Jungen, der den Herausforderungen seines jungen Lebens hilflos gegenüber steht. Zu seinem Glück eilt Doraemon zu seiner Rettung, ein zeitreisender Roboter aus dem zweiundzwanzigsten Jahrhundert. Dreh und Angelpunkt der Serie sind dabei Doraemons faszinierende Apparate, wie zum Beispiel das“どこでもドア“,  einer Türe, die einen an jeden beliebigen Ort teleportieren kann, oder den „タケコプター“, den erstaunlichen Propeller, der einem zu fliegen erlaubt. Unbeschwert sind die kurzen Episoden zumeist, bringen einen zum Schmunzeln – oft thematisieren sie aber unterschwellig auch soziale Probleme oder werfen interessante, ethische Fragen auf. So benutzt Doraemon eines Tages ein spezielles Gerät, um sich sein geliebtes „Dorayaki“(seine Leibspeise) zu beschaffen. Der Apparat funktioniert nun so, dass er von allen Dorayakis, die in ganz Japan verteilt in den Schränken liegen, ein paar Krümel wegnimmt, auf magische Art herbeizaubert und wieder zu einem ganzen Dorayaki zusammensetzt. Doraemon plagen dabei Gewissensbisse – ist es denn eigentlich nichts anderes als stehlen? – während Nobita die Sache gelassen nimmt. Ein paar Krümel tun ja keinem weh, argumentiert Doraemons Freund. Wer von beiden hat nun recht? Eigentlich doch eine interessante und nicht leicht zu beantwortende Frage!

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Der Schwierigkeitsgrad der Geschichten schwankt, befindet sich aber normalerweise auf Grundschülerniveau. Viele der Bände, die ich gelesen habe, geben sogar eine Altersempfehlung für jedes Kapitel ab – sehr hilfreich! – und kommen allesamt mit Furigana. Gerade letzteres ist ein Segen, wenn man auf unbekannte Kanji trifft.
Ich persönlich halte ein Manga wie Doraemon für noch lehrreicher als richtige Bücher, da durch die Bilder besser auf die Bedeutung unbekannter Wörter geschlossen werden kann. Lässt jemand in einem Roman einen Drachen steigen, dann findet man das nur schwer heraus, wenn man das Wort für „Drachen“ nicht kennt. Die Bilder in einem Manga helfen da manchmal ebenso gut wie ein Wörterbuch.

Woher nehmen und nicht stehlen?

Schön und gut, aber wo kriegt man die japanischen Bände nun eigentlich her? Die Antwort hängt sehr von eurem Standort ab – wenn irgendwo gebrauchte Mangas auf Japanisch verkauft werden, dann steht die Chance gut, dass ihr Doraemon im Sortiment findet – so zum Beispiel in München. Wer im Besitz einer Kreditkarte ist und sich den Kaufprozess zutraut, kann einfach bei amazon.co.jp bestellen. Gibt es in eurer Stadt eine Deutsch-Japanische Gesellschaft oder Manga- bzw. Animeclubs? Dann versucht dort mal euer Glück. Natürlich findet man die Sachen auch online – das ist allerdings, soweit ich weiß, nicht legal.

Wenn ihr mit Mangas Japanisch lernen wollt, dann ist Doraemon eine gute Wahl. Sehr unterhaltsam, moderates Niveau, Furigana neben den meisten Kanji – und das Beste: die Mangas wurden über Jahrzehnte hinweg veröffentlicht. Es gibt also Nachschub ohne Ende!

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