Extra höflich: irassharu, oide ni naru, mairu

Als ich die Vokabeln „irassharu“ und „oide ni naru“ gelernt habe, war ich sehr verwirrt. „kommen, gehen, sein“, heißt es als Übersetzung – eine sehr allgemeine Bedeutung! Wo genau liegt eigentlich der Unterschied zwischen den beiden, und wie höflich klinge ich am Schluss? Mittlerweile bin ich schlauer geworden und will mein Wissen mit euch teilen.

Höflicher als -masu? Nicht nur etwas für die Papstaudienz

Höflichkeit funktioniert im Japanischen häufig auf diese Art: ihr macht den anderen groß, euch selber klein.

Höflichkeit funktioniert im Japanischen häufig auf diese Art: ihr macht den Anderen groß, euch selber klein.

Man hat als Lernender ja zunächst überhaupt keine Ahnung, wie „extra höfliche“ Verben wie irassharu, goran ni naru oder auch mairu eigentlich klingen. Spricht man mit ihnen wie ein Samurai zu seinem Herrn? Nein, die Wörter sind durchaus zeitgemäß und werden häufig benutzt. Wenn ein paar Schüler über ihre Lehrer sprechen (und es gute Schüler sind), dann könnten sie beispielsweise „irassharu“ benutzen, anstatt eines normalen Verbs mit -masu Form. Von einem Ausländer werden sie normalerweise nicht erwartet, und dementsprechend beeindrucken kann man, wenn man ihre Verwendung meistert. Ihr könnt sie durchaus benutzen, wenn ihr mit einer neuen, eventuell älteren Bekanntschaft ins Gespräch kommt und nach der Herkunft fragt. Wichtiger als ihre aktive Anwendung ist aber sicherlich, die korrekte Benutzung zu kennen, um bei einer Begegnung – etwa in Büchern – auch zu verstehen, wer zu wem in respektvoller Weise spricht.

Wer benutzt mairu? Wer irassharu/oide ni naru?

Irassharu benutzt ihr, wenn ein Anderer kommt, geht (oder auch kam und nun entsprechend da ist), dem ihr Respekt bezeugen wollt. Das kann euer Gegenüber sein, oder auch ein Dritter. „oide ni naru“ und „irassharu“ unterscheiden sich nur in Nuancen, die euch keinen großen Kummer bereiten müssen – es ist für den Anfang mal ausreichend zu wissen, dass „oide ni naru“ etwas förmlicher klingt. Im Gegensatz dazu benutzt ihr „mairu“ wenn ihr kommt bzw. geht. Ihr klingt damit bescheiden – macht euch klein – und bezeugt eurem Gegenüber entsprechenden Respekt. Wir haben es also mit verschiedenen Perspektiven zu tun, und „mairu“ kann auch eine gute Erwiderung für „irassharu/oide ni naru“ sein. Ein simpler Dialog könnte wie folgt lauten:

あなたはどのくにからいらっしゃいましたか? (Aus welchem Land kommen Sie?)

わたしはドイツからまいりました。 (Ich komme aus Deutschland.)

Ihr seht hier auch, dass die „extra höflichen Verben“ noch zusätzlich mit -masu kombiniert werden können, was in der Praxis auch häufig getan wird. Eine kleine Abwandlung davon hat sich zu einer festen Redewendung eingeschleift, die ihr wahrscheinlich kennt:

いらっしゃいませ!

sagt der Verkäufer, wenn ihr den Laden betretet – selbstverständlich von der ursprünglichen Bedeutung längst losgelöst, ist es doch interessant, die Wurzeln des Ausdrucks zu verstehen. Noch ein kleiner Zusatz zu mairu: Ihr könnt mit diesem Wort auch ausdrücken, dass ihr verloren habt bzw. besiegt wurdet.

In dem Anime "natsume yuujinchou" erscheint ein sehr düsterer Youkai. "I have come" sagt er im Englischen zur Begrüßung - wer hätte gedacht, dass er im japanischen Original "mairimashita" verwendet und damit ein hohes Maß an Respekt bezeugt?

In dem Anime „natsume yuujinchou“ erscheint ein sehr düsterer Youkai. „I have come“ sagt er im Englischen zur Begrüßung – wer hätte gedacht, dass er im japanischen Original „mairimashita“ verwendet und damit ein hohes Maß an Respekt bezeugt?

Noch ein Duo: „goran ni naru“ und „haiken suru“

Es gibt auch besonders höfliche Verben für „sehen“ bzw. „betrachten“. „goran ni naru“ benutzt ihr dabei, wenn ein Anderer etwas sieht oder betrachtet, „haiken suru“ für euch selbst. Auch sie können als Kombo auftreten. So bedeutet:

(私わたしは)あなたのにわ拝見はいけんしてもよろしいでしょうか?
„Darf ich die Ehre haben, Ihren wunderbaren Garten zu betrachten?“

どうぞ、ごらんになってください。
„Gerne, werfen Sie einen Blick auf meinen nichtswürdigen Garten.“

Die meisten Japaninteressierten wissen, wie wichtig auf der langen Insel das Thema der Höflichkeit ist. Es schadet wirklich nicht, sich etwas genauer damit außeinanderzusetzen. Ganz abgesehen davon werdet ihr auf diese Weise plötzlich Sprachnuancen in Animes erkennen, die in der Übersetzung unweigerlich verloren gingen. Manchmal lassen sie einen Charakter in einem ganz anderen Licht erscheinen – eine sehr interessante Entdeckung, vor allem für Fans.

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