„Puni Puni“ und Co. – die schönsten „Geräuschwörter“ im Japanischen (Onomatopoetika)

Der Begriff „Onomatopoesie“ kann übersetzt werden mit „Lautmalerei“ und beschreibt das Nachbilden von bestimmten Geräuschen mithilfe von Worten. Im Japanischen findet man dieses Phänomen häufig, und zwar auf eine äußerst interessante und liebenswerte Art. Was die „Onomatopoetika“ mit Pikachu oder den Goronen aus Zelda zu tun haben, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Lautmalerei findet sich auch im Deutschen wieder: das Wort „rascheln“ besteht nicht aus beliebigen Silben, die mit der entsprechenden Information verknüpft sind, es versucht mit seinem Klang tatsächlich das Geräusch des Raschelns nachzubilden. Der Begriff ist dabei sehr dehnbar: auch Wörter, die im abstrakteren Sinne etwas von ihrer Bedeutung mithilfe des Klanges ausdrücken, können als Onomatopoetika bezeichnet werden, oder weisen zumindest onomatopoetische Nuancen auf. Hat das Wort „schwer“ im Deutschen nicht wirklich etwas Tiefes, Schweres? Ist das Wort „Stein“ nicht wirklich äußerst hart und kantig? Im Japanischen unterscheidet man zwei verschiedene Arten von Onomatopoetika: solche, die mit einem echten Geräusch in der Wirklichkeit identifiziert werden können (giongo, 擬音語), und solche, die versuchen, mit ihrem Klang den Charakter des beschriebenen Vorgangs einzufangen, obwohl dieser mit gar keinem eindeutigen Laut in Verbindung gebracht werden kann (gitaigo, 擬態語). Nachstehend findet ihr meine Liebling-Geräuschwörter mit samt ihrer Bedeutung:

1. Puni Puni (weich-elastisch, moppelig)

Schaut euch dieses Walross an - ein Paradebeispiel für "puni puni"!

Schaut euch dieses Walross an – ein Paradebeispiel für „puni puni“!

Ich hatte viele angeregte Diskussionen, ob „puni puni“ jetzt eigentlich ein Giongo oder Gitaigo ist. Beschreiben soll es Materialien, die sich so anfühlen, wie ein elastischer Gummiball – den Speck an unseren Hüften und Bäuchen mit eingeschlossen. Im weiteren Sinne wird der Begriff also auch für „pummelig“ verwendet. So bedeutet:

きみはぷにぷにになった

Du hast zugenommen / du bist etwas mopsig geworden.

Eigentlich ein klarer Fall: Puni Puni ist ein Gitaigo. Wenn ihr mit dem Finger den Speck eures Freundes betastet und ihn ein wenig verformt, werdet ihr sehen, dass der zunächst merkwürdig anmutende Ausdruck „puni puni“ diesen Vorgang sehr gut beschreibt – so gut, dass manche Menschen tatsächlich behaupten, man vernehme bei der Verformung von bestimmten Gummibällen ein Geräusch, das wie „Puni Puni“ klingt… was denkt ihr darüber?

2. Pika Pika (funkelnd, glänzend)

Auch der Name von Pikachu beinhaltet ein japanisches "Tonwort"

¹Auch der Name von Pikachu beinhaltet ein japanisches „Tonwort“

Stellt euch vor, ihr habt den Boden eurer Wohnung ordentlich gewischt, und zwar solange, bis er vor lauter Sauberkeit schon fast scheint, funkelt, glänzt… hört ihr jetzt vielleicht, wie die Glanzlichter auf den Fließen entlang laufen? Hört ihr das leise „pika pika“? Nein? Naja, dann sind es vielleicht keine japanischen Fließen. Wenn es japanische Fließen wären, dann würden sie auch ordnungsgemäß „pika pika“ machen. In unserem Lieblingsland macht nämlich alles „pika pika“, was da glänzt oder funkelt, sogar elektrische Funken… und ihr ahnt bereits, auf was die Sache hinausläuft. Dieses Onomatopoetika ist Namensgeber für das gelbe Wunder namens Pikachu. Ein klares Gitaigo – außer für diejenigen unter euch, die bei der Betrachtung von funkelnden Gegenständen ein ähnliches Geräusch vernehmen.

3. Goro Goro (kullernd, rollend, schnurrend, faullenzend)

Es ist nicht bewiesen, aber ich bin fest davon überzeugt, dass "Gorone" von "goro goro" abgeleitet wurde.

Es ist nicht bewiesen, aber ich bin fest davon überzeugt, dass „Gorone“ von „goro goro“ abgeleitet wurde.

Ihr kommt nach der langen Arbeit nachhause und dürft euch jetzt endlich auf die Couch legen – was für ein Genuss! Wie euer Leib herniedersinkt, wie ihr euch der völligen Entspannung hingebt und vielleicht ein bisschen einkugelt, so wie ein kleines Baby, da passiert es: ihr macht „goro goro“. Jeder, der sich zum Faullenzen hinlegt, oder beim Faullenzen ein bisschen hin und her rollt, der macht „goro goro“. Auch hier findet nun wieder eine Bedeutungsübertragung statt: Faullenzen im Allgemeinen wird ebenfalls als „goro goro suru“ bezeichnet.
Nun habe ich zwar keinen finalen Beweis, aber es liegt in meinen Augen sehr nahe, dass die sich permanent einkugelnden, herumrollenden und chronisch faullenzenden „Goronen“ aus Zelda ebenfalls nach diesem Wort benannt wurden. Oder kann das alles etwa Zufall sein?

4. Doki Doki (klopf-klopf, aufgeregt sein)

Doki Doki ist das Geräusch des Herzens, wenn es vor Aufregung schneller und fester schlägt als normalerweise. Im Anime hört man das oft jemanden sagen, der sich verliebt hat und deshalb nachts nicht schlafen kann. Der Ausdruck ist der erste auf dieser Liste, den man eindeutig als Giongo bezeichnen kann. Kleine Notiz am Rande: der Klassiker „Super Mario Bros. 2“ für das NES ist eigentlich das japanische Famicom Spiel „Doki Doki Panic“ mit ausgetauschten Spielfiguren.

5. Moja Moja (zottelig, buschig)

„Moja Moja“ wird zum Beispiel für zottelige oder auch sehr buschige Hunde verwendet. Vermutlich handelt es sich um das Geräusch, das man hört – oder zumindest zu hören glaubt – wenn man über eine solche dichte Haarpracht mit der Hand darüber streicht. Wie bitte? Ihr hört „moja moja“ auch, wenn ihr euch selber über die Haare fahrt? Dann ist es aber höchste Zeit für einen Friseur! 😉

Das waren meine persönlichen Lieblingsonomatopoetika aus dem Japanischen. Kennt ihr auch ein paar solcher Tonwörter, die euch besonders gefallen? Bezeichnet ihr euch selber als „Moja Moja“ oder „Puni Puni“? Macht ihr gerne „goro goro“? 

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2 Comments

  1. Ja, diese Geräuschwörter sind schon was tolles. Ich mag auch ぶよぶよ bei zu weichem Obst, にこにこ beim Grinsegesicht oder ぴったり wenns genau passt. Eigentlich gehört so ein Wort in fast jeden Satz!
    Jakob

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