Miracle Girls: Japan exklusiver Geheimtipp für Super Famicom

Für SNES und Co. gibt es zahllose Klassiker, die unglaublichen Spaß machen. Leider kommt der Punkt, an dem man als Retro-Game Liebhaber die heißgeliebten Titel aus der Kindheit schon in- und auswendig kennt. Wer bereits auf die Suche nach weniger bekannten Perlen gegangen ist, der weiß: es gibt viel, viel Mist für die alten Konsolen. Ich habe für euch sogar die exklusiv in Japan erschienen Titel durchgesucht und präsentiere heute einen meiner Funde: „Miracle Girls“ ist ein hübsch gestaltetes Jump’n’run mit solidem Gameplay und absoluter Kawaii-Überdosis.

Bunte Levels mit teils ausgefallenen Gegnern. Blaue Bienen mit Vorschlaghammer? Okay...

Bunte Levels mit teils ausgefallenen Gegnern. Blaue Bienen mit Vorschlaghammer? Okay…

Es gibt viele grafisch ansprechende Titel für das Super Nintendo. Kein Wunder: in Zeiten ohne Internet waren doch die Screenshots auf der Verpackung eines der wichtigsten Werbemittel. Als Kind hat man eben gekauft, was gut aussah! Aber bekanntlich ist nicht alles Gold was glänzt. Eine Flut an durchschnittlichen bis unterdurchschnittlichen Spielen mit netter Optik schwappte über den Markt, und alle krankten an halbgarem Gameplay – man denke nur an Titel wie „die Schlümpfe“ (SNES), der „Der rosarote Panther“ (SNES) oder auch Disney Spiele wie „Die schöne und das Biest“ (Genesis). Außen hui, innen pfui, wie man so schön sagt. „Miracle Girls“ ist da anders. Zugegebenermaßen ist es kein bahnbrechendes Spiel, das mit nie da gewesenen Ideen aufwarten kann. Ein normales Jump’n’run, in dem ihr springt, eure Gegner mit ein paar Bonbons lähmt und ab und zu das ein oder andere Minispiel spielt. Im Gegensatz zu vielen belanglosen Titeln wurde „Miracle Girls“ aber grundsolide umgesetzt und macht einen runden Eindruck. Ausschließlich in Japan veröffentlicht, dürfte das quitschbunte Spiel rund um die beiden „Wundermädchen“ bei uns weitgehend unbekannt sein. Schade, denn es ist durchaus einen Blick wert!

Am Ende jeder Stage erwartet euch ein kleines Minispiel.

Am Ende jeder Stage erwartet euch ein kleines Minispiel.

Zu Beginn des Spiels habt ihr die Wahl zwischen den beiden Miracle Girls, die sich bis auf das Aussehen nicht voneinander unterscheiden. Das Spielprinzip ist einfach: im typischen Platformer-Style springt ihr über Hindernisse und versucht zum Ende des mit Gegnern besetzten Levels zu gelangen. Zur Verteidigung verfügt ihr dabei ausschließich über Bonbons, die ihr auf eure Gegner werft und auf diese Art kurzzeitig betäubt (ähnlich wie in „Little Nemo“ für NES). Das eher einfache Spiel kann an einigen Stellen ein bisschen knifflig werden, weil man zum Weiterkommen die paralysierten Gegner als Plattform benutzen muss, bevor sie wieder aus ihrer Starre erwachen. Auch gilt es ab und zu die Wahl zwischen einer roten und einer weißen Blume zu treffen. Springt man auf die Falsche, stürzt man in den Tod. Welche die Richtige ist, verrät euch das zweite Miracle Girl – und zwar wörtlich. Sie sagt euch die Farbe (entweder shiro = weiß, oder aka = rot). Wer den Ton zufälligerweise ausgeschaltet hat oder aber die beiden Vokabeln nicht kennt, der schaut relativ blöd aus der Wäsche. Am Ende jedes Levels wartet auf euch ein Minispiel, zum Beispiel ein kleines „Shooter“ Game, in dem ihr mit der Wasserpistole gegen einen Gegner antretet und versucht, ihn ordentlich nass zu machen, oder ein „Hau den Lukas“ ähnliches Spiel, bei dem einfach möglichst oft draufgeschlagen werden muss. Die simplen Spiele lockern den Ablauf ein wenig auf und sorgen für nette Abwechslung. Die Steuerung reagiert dabei tadellos und erlaubt präzise Sprünge, die Treffererkennung ist gut und auch an ein paar Sekunden Unverwundbarkeit nach Gegnerkontakt wurde gedacht – so, wie sich das gehört.

 

 

Grafisch ist das Spiel äußerst hübsch gestaltet und erinnert ein bisschen an eine Mischung aus Kirby und Alice im Wunderland.

Grafisch ist das Spiel äußerst hübsch gestaltet und erinnert ein bisschen an eine Mischung aus Kirby und Alice im Wunderland. Super niedlich sind natürlich auch die Mädchen, denen man mit ihrem Kawaii-Zauber unausweichlich erliegt. Passend zum zuckersüßen Stil des Spiels sind entsprechend auch die Stages gewählt: ein Süßigkeitenland, eine Spielzeugbox, ein Märchenwald… dazu gibt es einen angenehmen, eingängigen Soundtrack, der sich hinter bekannteren Titeln nicht zu verstecken braucht. Einziger Wermutstropfen: „Miracle Girls“ ist ziemlich schnell durchgespielt. Aber Qualität geht ja bekanntlich über Quantität, oder? Wer sich vor der japanischen Sprache fürchtet, den kann ich beruhigen: bis auf die beiden erwähnten Vokabeln (shiro = weiß, aka = rot) könnt ihr mit ein bisschen Rumprobieren auch wunderbar ohne Japanischkenntnisse klarkommen. Zum Verständnis der entbehrlichen Dialoge ist auch kein zu fortgeschrittenes Level nötig (N5 – N4), einzig die Anleitungen für die Minispiele können etwas knifflig sein.

Wenn ihr mal wieder Lust auf ein kunterbuntes Jump’n’run habt, dann schaut euch „Miracle Girls“ an. Es wartet auf euch eine gute Zeit mit unbeschwerter Unterhaltung. Probiert es aus!

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2 Comments

  1. Hi Alex,
    Ich finde deine Spieletipps toll. Ich habe damals auch nach Spielen gesucht um etwas Abwechslung in mein Übungsmaterial zu bekommen bin aber dann an den schwierigen Texten wie zum Beispiel in Zelda gescheitert.
    Jakob

    • Hallo Jakob,
      freut mich sehr, dass dir meine Tipps gefallen!
      Ja, es eignen sich wirklich nicht alle der Klassiker zum Lernen, wenn man nicht schon sehr fließend ist. Und manche machen einem dann auch noch das Leben mit unleserlichen Kanji oder schnellen Fließtexten schwer.
      Umso schöner, wenn man dann endlich etwas passendes findet 😉

      Vg
      Alex

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