Wie man als Ausländer Shōgun in Japan werden kann: Serienreview zu James Clavell’s Shōgun

Der Bestseller-Autor James Clavell veröffentlichte 1975 seinen Roman Shōgun. Er ist eines der Werke seiner Asien-Reihe. Seine anderen Bücher können hier nachgeschlagen werden. Jedes einzelne wurde zum Bestseller. Der folgende Beitrag widmet sich dem Werk Shōgun und seiner filmischen Umsetzung als Miniserie.

Shogun_titlesDie Fernsehserie trägt den gleichnamigen Titel Shōgun und orientiert sich sehr stark am Buch. Das liegt unter anderem an der Tatsache, dass Clavell selbst als Produzent an der Serie mitwirkte. Die Originalsprachen sind Englisch und Japanisch. Die Erstausstrahlung in Deutschland fand 1986 auf ZDF statt. Zuletzt wurde sie 2010 auf ARTE ausgestrahlt.

Da alles aus der Sicht des englischen Navigators John Blackthorne (Richard Chamberlain)geschieht, wird man als Zuschauer ebenfalls in ein noch unbekanntes Japan zu Beginn des 17. Jahrhunderts geworfen. Blackthorne und seine Crew sind auf der Suche nach Japan, durch einen Sturm werden sie auch an dessen Küste geschwemmt. Dort ganz auf sich allein gestellt wacht der Navigator auf, einige Besatzungsmitglieder sind bei der sehr langen Reise bereits umgekommen, andere von ihnen sind schlimm krank. So erkundet der Zuschauer zusammen mit „Anjin-san“ (jap. 按針 für Navigator) das Küstenstädtchen und über die Dauer der Serie hinweg das Land Japan mit all seinen kulturellen Zügen. Der Zuschauer kann ebenfalls, wie Blackthorne auch, Japanisch erlernen, denn er beginnt von Null an und lernt es über die Dauer der Geschichte hinweg.

Was genau geschieht, sollt ihr am Besten selbst herausfinden. Hier ist der Trailer:

 

Clavell‘s Serie wurde zur Vorlage des berühmten Filmes The Last Samurai von Edward Zwick mit Tom Cruise in der Hauptrolle, dem ein ähnliches Schicksal widerfährt, jedoch nur zu Beginn. Aber sie beide landen in einem für sie komplett fremden Land, in dem sie weder die Sprache, noch die Kultur beherrschen.

Die Serie selbst hat seine Vorlage auf dem Leben von William Adams, dem vermutlich ersten Europäer, der zu einem Samurai geworden ist. Tokugawa Ieyasu, der Begründer des Tokugawa-Shogunats, ist das historische Vorbild für die Person des Fürsten Toranagas.

Zurück zur DVD: Die Box besteht aus 5 DVDs und einem Booklet in japanischer Briefform. Darin sind Details zur Serie und die Kapitelübersicht enthalten. Desweiteren gibt es eine 13-teilige „Making Of“ Shōgun-Dokumentation, historische Featurettes zu den Samurai, Teezeremonien und zur Geisha, sowie Audiokommentare vom Regisseur Jerry London. Das Ganze wurde technisch überarbeitet und erstrahlt im Full Screen Format.

Ich empfehle die Serie deshalb, da sie natürlich sehr gut unterhält. Neben diesem Aspekt bietet sie ein Haufen Informationen von und über das Japan des 17. Jahrhunderts und zeigt sowohl Sonnen- als auch Schattenseiten der alten japanischen Kultur. Mit einer Gesamtlänge von ca. 526 Minuten ist sie auch kein Mammutprojekt wie aktuelle Serien.

Für alle, die lieber lesen wollen: Der Roman ist natürlich auch sehr empfehlenswert, jedoch ein dicker Wälzer. Wer sich also für die alte Kultur Japans interessiert, dafür, wie man als Ausländer Shōgun in Japan hätte werden können und vielleicht sogar ein bisschen Japanisch lernen möchte, dem sei dieses Meisterwerk ans Herz gelegt.

Was ist eure Meinung zur Serie, zur Geschichte und wie gefällt sie euch?

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4 Comments

  1. Ich habe die Serie, damals als sie erstmals im Fernsehen ausgestrahlt wurde, das erste Mal gesehen und war begeistert davon. Den Roman habe ich danach mehr als einmal gelesen und ich finde die Geschichte heute noch sehr faszinierend. Ob durch die Geschichte meine Liebe zu Japan geweckt wurde, kann ich nicht sagen, jedenfalls hat sie sie sicherlich gefördert.
    Liebe Grüsse,
    Michaela

  2. Liebe Michaela,
    das freut mich. Sie gibt einen sehr schönen und übersichtlichen Einblick in die damalige Geschichte und die damaligen Verhältnisse in Japan und macht, wie du ja sagst, auf jeden Fall Lust auf mehr.
    Die Personen handeln schließlich ziemlich befremdend.
    Liebe Grüße,
    P. Julien

  3. Auch für mich war die Serie damals ein Trigger, der das Japan-Interesse entfacht hat. Sie ist einfach gut gemacht. Das Besondere daran ist, das man das meiste Japanisch unübersetzt (auch keine Untertitel) belasen hat. So ist man ungefähr auf dem gleiche Verständnislevel wie Anjin-san.

    „Die Fernsehserie orientiert sich sehr stark am Buch.“
    Das stimmt soweit was die Handlungsstränge betrifft, die natürlich stark eingekürzt sind. Allerdings ist die Grundansicht verdreht. In der Serie ist es Blackthorne, der alles kontrolliert und antreibt. Im Roman jedoch ist er mehr ein Spielball der Mächtigen und wird u.a. von Toranaga (Tokugawa) stark manipuliert. Ich vermute das ist dichter an der Wahrheit.

    Ich habe verschiedene „Shogun“-Orte in Japan besucht, eben weil es mich damals so beeinflusst hat. Auf Izu gibt es in der Stadt Ito ein Denkmal wo William Adams sein neues Schiff für die Heimreise gebaut hat, die er nie antrat. In Tokyo ist das alte Viertel Anjin-cho nach ihm benannt, und ein Gedenkstein erinnert an sein Haus dort.
    Auf den Burgen Himeji und Hikone (bzw. in den Parks) wurden einige Szenen gedreht, ich habe ein paar Stellen sogar wiedererkannt.
    Und natürlich war ich in Shizuoka beim Schrein für Toranaga/Tokugawa, der wirklich sehr schön ist.
    Was mir noch fehlt ist ein Besuch in Hirado, wo der Grabstein von Adams steht.

    • Hallo YabanJim,

      vielen Dank auch für deinen Kommentar. Ich kann dir voll und ganz zustimmen und du hast recht. Natürlich musste der Roman um einiges gekürzt werden und deswegen auch die kleinen Änderungen an der Geschichte.

      Das ist sehr interessant für mich. Schön, dass du an diesen Orten warst. Es reizt mich, diese auch besuchen zu gehen. Ich hoffe, du kannst dein letztes Puzzlestück bald einsetzen um dein Bild zu vervollständigen.

      Liebe Grüße,
      P. Julien

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