Kleines Wort mit vielen Funktionen, Teil 1: Die Wortpartikel na

Japanische Mini-Wörter oder Wortfragmente können einem zuweilen vorkommen, wie ein schweizer Taschenmesser: in tausend verschiedenen Situationen und auf tausend verschiedene Arten einsetzbar. Diese Wandelbarkeit kann Anfängern oftmals doch arge Kopfschmerzen bereiten. Das ist der Grund, warum wir in einer eigenen Artikelserie besonders ungreifbare Vertreter herauspicken und ihnen den Giftzahn ziehen wollen. Den Anfang macht ein echter Tausendsasa: die kleine Wortpartikel na.

Ist es nicht schön, so vielseitig zu sein?

Man begegnet ihm in der Regel zum ersten Mal, wenn man im Sprachkurs zum Thema „Adjektive“ gelangt. Dann nämlich wird einem beigebracht, dass es zwei verschiedene Adjektiv-Formen gibt: „i“ und „na“. Letztere treten seltener auf und sind sprachwissenschaftlich komplizierter zu fassen, was uns aber in diesem Artikel nicht kümmern soll. Entscheidend ist, dass das Bindeglied zwischen einem na-Adjektiv und einem Nomen nun eben gerade das namensgebende Wortpartikel na darstellt:

君 の 妹 は きれい な 女の子 です。 きみ の いもうと は きれい な おんなのこ です。

Kimi no imouto wa kirei na onnanoko desu. Deine Schwester ist ein hübsches Mädchen.

Soweit ist das nicht schwierig zu verstehen. Etwas verwirrender wird die Situation, wenn in einem Anime die ganze Gruppe einen Ausflug zum Strand unternimmt und ein jeder beim Anblick des herrlichen Meeres ruft:

きれい だ な!

kirei da na! (Wie) schön!

Offenbar hat sich mit Hilfe von „da“ und darauf folgendem „na“ ein Ausruf gebildet. Das scheint auf den ersten Blick nicht groß überraschend; schließlich ist „kirei“ ja ein na-Adjektiv! Eine relativ eingängige, intuitive Konstellation also. Die Verwirrung steigt jedoch sprunghaft an, sobald der nächste Ausruf fällt.

Ich bin so glücklich!

Man sitzt also am Meer, das Wetter ist gut und ebenso die Stimmung. Da hört man ein Mädchen vielleicht ihrer guten Laune Ausdruck verleihen:

嬉しい な! うれしい な!

Ureshii na! (Ich bin) glücklich!

„Ureshii na!“ ? Aber wie denn, was denn, wo denn? Ureshii ist doch kein na-Adjektiv! Völlig korrekt. Es handelt sich um ein i-Adjektiv und akzeptiert normalerweise kein „na“. Das kleine Wörtchen hat also eine weitere Funktion: es wird verwendet, um gemeinsam mit Adjektiven einen Ausruf zu bilden. Zu erwähnen ist dabei, dass der so entstandene „Ausruf“ in der Regel eher sanft klingt, aber ein starkes bzw. tiefes Gefühl ausdrückt. „Na“ wird also nicht erregt gebrüllt, sondern eher „schmachtend geseufzt“.
Da es zu diesem Zwecke häufig gedehnt auftritt, findet man gelegentlich ein weiteres „a“ an sein Ende angehängt („Ureshii naa!“).

Nur zur Erinnerung: Die japanische „Wollen“-Form (z.B. tabetai, asobitai etc.) wird ebenfalls gehandhabt, wie ein i-Adjektiv, und kann also auch mit „na“ kombiniert werden. So macht es beispielsweise der Charakter „Deutschland“ aus dem Anime „Hetalia“, wenn er in seinem Song erklärt:

„ヴルスト が 食べたい な!“ „ヴルスト が たべたい な!“

„Wurusuto ga tabetai na!“ („Ich will Wurst essen!“)

Na dann Mahlzeit!

Mach es nicht!

Soweit so gut. Da kam ja bislang schon ganz schön was zusammen. Langsam aber sicher nähern wir uns dann aber auch dem Letzten der (gebräuchlichen) Funktionen von „na“: Es handelt sich um eine scharfe Variante der verneinten Befehlsform und wird als äußerst grob empfunden. Sie wird gebildet, in dem „na“ an die einfache Infinitiv-Form angehängt wird.

So bedeutet

食べる な! たべる な!

taberu na!

so viel wie „Iss nicht!“ („…und ich meine es verdammt ernst, Freundchen!“)

Abschließend bleibt zu erwähnen, dass natürlich eine Vielzahl an Wörtern auf „na“ enden. Andere bestehen gar vollständig aus „na“, wie beispielsweise das Zählwort „nana“ (sieben). Fällt in einem Satz eine unbekannte Vokabel, ist es schwer, schnell zu erkennen, um welche Wortart es sich handelt. Oft begreift man dann die ganze Satzstruktur nicht mehr und hat das Gefühl, überhaupt nichts mehr zu verstehen. Ein Effekt, der natürlich nicht nur auf „na“ beschränkt ist: viele einsilbige Wörter machen uns im Japanischen auf diese Art das Leben schwer. Geduld ist gefragt und üben, üben, üben.

Ein erster Schritt ist, die besonders wandlungsfähigen der Mini-Wörter in all ihren Funktionen zu kennen. Und zumindest „na“ kann euch jetzt keinen Schrecken mehr einjagen.

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